Ilja Richter

Mammon

© Hannes Casper

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Ilja Richter wurde 1952 in Ostberlin geboren und wuchs in Köln und Westberlin auf. Bereits 1961 hatte er eine erste Hörspielrolle für eine Produktion des Westberliner Senders RIAS von Ephraim Kishons „Schwarz auf weiß“. Es folgten über 60 weitere Hörspielrollen für den RIAS und bald auch diverse Kinderrollen an Berliner Theatern; sein Bühnendebüt gab Richter 1961 am Berliner Renaissance-Theater an der Seite der Kinolegende Victor de Kowa. 1968 war Richter Mitglied des Ensembles von Peter Zadeks Inszenierung von Edwards Bonds Sozialschocker „Gerettet!“ an der Freien Volksbühne Berlin, die für einen Theaterskandal sorgte. Im Februar 1969, mit 17 Jahren, übernahm Richter die Moderation (zunächst noch gemeinsam mit der Schlagersängerin Suzanne Doucet) der ZDF-Musikshow „4-3-2-1 Hot & Sweet“, aus der zwei Jahre später „Disco“ wurde. Als „Disco“-Moderator mit dem Spruch „Licht aus – Spot an!“ und als Darsteller in den Sketchen, die zwischen den Musikauftritten gezeigt wurden, wurde Richter zum Fernsehstar und Teenie-Idol. Parallel dazu wirkte Richter bis Mitte der 70er in einer Vielzahl deutscher Filmproduktionen mit, von Peter Zadeks Berlinale-Gewinner ICH BIN EIN ELEFANT, MADAME (1969) über den Schlagerfilm UNSERE PAUKER GEHEN IN DIE LUFT mit Wencke Myhre und Chris Roberts (1970) bis zur Militärklamotte DIE KOMPANIE DER KNALLKÖPPE (1971). „Disco“ lief, jahrelang mit Traumquoten, bis 1982.

Nach der „Disco“-Zeit widmete Richter sich wieder in erster Linie dem Theater. Zu den herausragenden Auftritten gehören Parts in „Treppauf – treppab“ an der Berliner Komödie und in Bodo Kirchhoffs Einpersonenstück „Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf“ am Düsseldorfer Schauspielhaus, mit denen Richter auch auf Tournee ging. Zu seinen Bühnenrollen der letzten Jahre gehören die Titelrolle in „Richard III.“ am Deutschen Theater Göttingen (2008) und die Hauptrolle in der deutschen Erstaufführung der Komödie „Die Socken Opus 124“ an der Seite von Dieter Hallervorden am Berliner Schlossparktheater (Regie: Katharina Thalbach). Ebenfalls am Schlossparktheater spielte Richter 2010 die Titelrolle in „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“.

Jüngst stand Richter am Alten Schauspielhaus Stuttgart in „Sechzehn Verletzte“ und an der Komödie im Marquardt, ebenfalls in Stuttgart, in „Komiker aus Versehen“ auf der Bühne. Neben zahlreichen Auftritten seit Mitte der 80er in TV-Serien und Fernsehfilmen – von „Drei Damen vom Grill“ über „Sylter Geschichten“ (1992) bis zu „Romeo und Jutta“ (2009) und „Klick ins Herz“ (2009) – und Gastrollen in Krimiserien wie „SOKO 5113“, „Hauptstadtrevier“, „Notruf Hafenkante“ und „SOKO Köln“ hat Richter auch immer wieder Synchronrollen, insbesondere für Trickfilme, übernommen. Dazu gehören die Zeichentrickserie „Graf Duckula“ (1989), DER KÖNIG DER LÖWEN („The Lion King“, 1994), DIE MONSTER AG („Monsters, Inc.“, 2001), in dem Richter Mike Glotzkowski sprach, DIE ROTKÄPPCHEN-VERSCHWÖRUNG („Hoodwinked“, 2006) und DAS SANDMÄNNCHEN – ABENTEUER IM TRAUMLAND (2010). Zuletzt sprach Richter in der deutschen Fassung von LIFE OF PI: SCHIFFBRUCH MIT TIGER („Life of Pi“, 2012) die Titelrolle des Pi und zeigt nun zwölf Jahre nach der MONSTER AG erneut sein monstermäßiges Können als Sprecher von Mike Glotzkowski in DIE MONSTER UNI. !

Zu Richters Filmrollen der letzten Zeit zählen Auftritte in Dani Levys MEIN FÜHRER – DIE WIRKLICH WAHRSTE WAHRHEIT ÜBER ADOLF HITLER (2007), Daniel Krauss’ KAISERSCHMARRN mit Antoine Monot jr. (2012) und in Joachim Masanneks V8 – DU WILLST DER BESTE SEIN (2013). Richter ist Autor mehrerer Bücher: „Der deutsche Jude“ (1989; gemeinsam mit seiner Mutter Eva Richter), der Autobiographie „Spot aus! Licht an!“ (1999) und das Kinderbuch „Bruno – von Bären und Menschen“ (2007). Im Jahr 2013 erschienen „Man kann nicht immer 60 sein“, woraus inzwischen ein Theaterstück entstanden ist, mit dem Ilja Richter auch 2014 in vielen Städten zu Gast ist.